Kammer der Architekten / Ordine degli Architetti  

Zurück   Kammer der Architekten / Ordine degli Architetti > Wettbewerbe – Vergabe von Planungsaufträgen / Concorsi - incarichi di progettazione

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
  #1  
Alt 31.08.2011, 17:21
Josef Gritsch Josef Gritsch ist offline
Neuer Benutzer
 
Registriert seit: 22.10.2009
Beiträge: 4
Unglücklich Das Image des Architekten

ARCHITEKT


Wir Architekten wollen unser Image verbessern: weil der Beruf weit unter Wert verkauft wird.

Zuerst hat die EU die freie Marktwirtschaft verordnet, mit freien Honoraren, ohne Einhaltung von Mindesthonoraren.
Es funktioniert ja auch im freien Warenverkehr und Dienstleistungen so.
Was war die Folge: die Honorare für öffentliche Arbeiten rutschten auf bis 20%+50% Nachlass, also auf 30% der vom Staat einmal festgelegten Mindesthonoraren, die eine gerechte Entlohnung für eine qualitätsvolle Arbeit sichern sollten. Nun galt bei vielen Ausschreibungen, dass das Mindestangebot den Zuschlag kriegt. Aber der Architekt liefert keine Ware und kein qualitätsmäßig in der Ausschreibung definierbare Arbeit. Das Ansehen des Architekten rutsche mit dem mörderischen Abgeboten in den Keller. Hungerkünstler stehen nicht hoch in der Bewertung der Gesellschaft.

Als man das nach einigen Jahre , die die Berufsgruppe geduldig hinnahm, den Unsinn einsah wurde die Beschränkung der Honorarabgebote auf 30% limitiert und zugleich das wirtschaftlich beste Angebot, das auch die Qualität des Bewerbers mit einschließt, vorgeschrieben. Wunderbar.
Nur die Bewertung der Qualität wird an drei ausgeführten Referenzprojekten und, man staune, an einem technischen Bericht gemessen. Die besten Architekten werden ihre Projekte herzeigen. Die anderen werden versuchen mit dem technischen Bericht dagegen anzuschreiben, der immerhin 40 Punkte ausmachen soll. Jeder wird alle zugelassenen Seiten und Zeilen voll schreiben.
Man wird versuchen gegen die besseren Refernzprojekte anzuschreiben. Ein hoffnungdsloses Unterfangen. Eine neue Spezialisierung der Architekten wird entstehen: Literatenarchitekten.
Und so unsinnig geht es weiter: um anbieten zu dürfen muss man mit einem Organigramm die Projektierungsgruppe aufstellen. Aber woher die Elektrotechniker, die Heizungstechniker nehmen.
In Südtirol gibt es nur verhältnismäßig wenige davon. Die guten Statiker sind auch schon vergeben.
So ein Schmarrn ! Das Resultat dieses ganzen Mistes wird sein, dass nur wenige, meistens größere Büros immer zum Zuge kommen und der Rest nach erfolglosen Versuchen das Anbieten aufgeben muss.
Zum Schluss fehlen dann dem Bewerber noch die ausgeführten öffentlichen Arbeiten, die die meisten Punkte bekommen werden.
Wie wird es weitergehen. Die Kammer propagiert als einen Rettungsanker die Projektierungswettbewerbe.
Diese sind für größere, wichtige Bauaufgaben sinnvoll und steigern die Qualität der Büros und des Gebauten. Bei jeden offenen Wettbewerb kommen weit meist über hundert Entwürfe zur Bewertung. Es ist ein wirtschaftliches Desaster, wenn man bedenkt, dass jeder Teilnehmer mindestens 10.000 – 20.000 € Spesen dabei hat : insgesamt 1-2 Millionen €, bei einem Bauwerk ab 500.000 € ! Also sind diese doch nur für wichtige, große Bauvorhaben sinnvoll.
Auch muss man sagen, dass die Praxis der getrennten Ausschreibung von Projektierung und Bauleitung eine Beleidigung eines jeden Architekten ist, der dann oft sieht wie sein Projekt von einem Ingenieur oder anderen Kollegen gebaut wird.
Beim Wettbewerb mit der der Auswahl von 10 ausgesuchten Architekten, haben Anfänger überhaupt keine Chance.
Letztendlich kommt es zur Verarmung der großen Masse der Architekten und zur kleinen Elitegruppe, der alles zufällt. Das ist Kapitalismus in Reinstform.
Nach einigen Jahren wird man wieder erkennen müssen, dass es so auch nicht geht. Die Leidtragenden sind wir und nicht die Bürokraten in Brüssel und in Rom.

Den ersten Schritt hat man schon gemacht: die Schwelle der freien Vergabe wurde von 20.000€ auf 40.000 € hinaufgesetzt. Das entspricht einem Bauwerk von unter 200.000 € !

Der nächste Schritt muss der sein, dass diese Schwelle auf 100.000 € hinaufgesetzt wird, was einem Bauwerk von unter 500.000 € entspricht. Wahrlich auch nur ein ganz bescheidener Bau von der Größe eines Einfamilienhauses ! Kleinstbüros können sich vielleicht damit über Wasser halten.
Vernünftig wären 200.000 € Honorar ( Bauwerk von unter 1Million € ), aber da sind wird schon bei der Ausschreibung auf EU- Ebene, da wir in der Einstufung nicht den Baufirmen ( ca. 5 Millionen € , also 1 Million Honorar ), sondern den Putzfirmen gleichgestellt wurden !
Viele Architekten werden den Rückzug in die Privatwirtschaft machen müssen oder sich vielleicht auf eine neue Rolle des Lehrers, des Künstlers, des Hungerkünstlers einstellen, oder in andere Berufssparten ausweichen .
Das ist eine Monopolisierung in der sogenannten freien Marktwirtschaft !

Jos Gritsch

Anhang:
Mit dem Land wurde eine max. Kürzung des Honorars von 20+20= 40% und mit den Gemeinden von 20+30 = 50 % vereinbart .War nicht früher der Vorschlag der Kammer von max.20+5% = 25% ?
Ich glaube, dass die Beteiligung aller Archtekten in einem Internet-Forum bei der Ausarbeitung des Leitfadens als Grundlage der Ausschreibungen im Sinne der direkten Demokratie sinnvoll wäre.
Bei aller Anerkennung des Einsatzes der gewählten „Volksvertreter“könnte dadurch vielleicht eine Verbesserung der Verhandlungsergebnisse mit dem Land und den Gemeinden erziehlt werden.
Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 03:16 Uhr.


Powered by vBulletin® Version 3.8.2 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2017, Jelsoft Enterprises Ltd.